Zuckertenside

Decyl Glucoside
Nicht-ionisches Zuckertenside (Alkylpolyglucosid)

Decyl Glucoside ist Wird durch Fischer-Glycosidierung hergestellt: Glucose aus pflanzlicher Stärke (meist Mais) reagiert mit Decylalkohol aus Kokos- oder Palmkernöl. Erfahre hier alles ueber Herkunft, Wirkung und die beste Anwendung in deiner taeglichen Pflegeroutine.

CAS: 54549-24-5 / 68515-73-1  |  Auch bekannt als: D-Glucopyranose, Decyl-, Decylglucosid, APG (Alkyl Polyglucoside), Plantacare 2000 UP (Handelsname BASF), Oramix CG 110 (Handelsname Seppic), Plucapon G (Handelsname BASF)
Stoffklasse Nicht-ionisches Zuckertenside (Alkylpolyglucosid)
INCI-Name Decyl Glucoside
CAS-Nummer 54549-24-5 / 68515-73-1
Komedogenitaet Grad 0-1 (sehr niedrig)

Was ist Decyl Glucoside?

Decyl Glucoside ist ein nicht-ionisches Zuckertenside aus der Familie der Alkylpolyglucoside (APGs), das 1992 von Henkel als umweltfreundliche Alternative zu aggressiven Sulfat-Tensiden (SLS/SLES) entwickelt wurde. Es entsteht durch Fischer-Glycosidierung: Glucose aus Maisstärke reagiert mit Decylalkohol (C10) aus Kokos- oder Palmkernöl zu einem milden Reinigungsmolekül, das Schmutz durch Micellbildung entfernt, ohne Hautproteine zu denaturieren. Die nicht-ionische Struktur (keine elektrische Ladung) verhindert elektrostatische Wechselwirkung mit Keratin und Filaggrin — dies erklärt die außergewöhnliche Hautverträglichkeit, selbst bei Neurodermitis-Patienten. In der Naturkosmetik ist Decyl Glucoside das Tensid der Wahl, da es zu 98% biologisch abbaubar ist (OECD 301) und von Eco-Cert/COSMOS zertifiziert wird.

Wusstest du? Decyl Glucoside ist eines der wenigen Tenside, die in der Lebensmittelindustrie als Emulgator für essbare Beschichtungen (z.B. Wachs-Überzüge auf Äpfeln) zugelassen sind — ein Beleg für die außergewöhnliche Unbedenklichkeit.

Woher kommt Decyl Glucoside?

Wird durch Fischer-Glycosidierung hergestellt: Glucose aus pflanzlicher Stärke (meist Mais) reagiert mit Decylalkohol aus Kokos- oder Palmkernöl. Das Ergebnis ist ein mildes Tensid aus 100% nachwachsenden Rohstoffen, das bereits 1992 von Henkel als umweltfreundliche Alternative zu Sulfat-Tensiden entwickelt wurde. Verwendet wird: Glucose aus Maisstärke, Fettalkohole aus Kokos-/Palmkernöl. Hauptherkunftsregionen: Rohstoffe aus tropischen Regionen (Kokospalmen), industrielle Synthese weltweit. In der modernen Kosmetik unterliegt die Gewinnung und Verarbeitung strengen Qualitaetsstandards gemaess der EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009. RAU Cosmetics bezieht ausschliesslich Rohstoffe in Kosmetik-Qualitaet von geprueften Lieferanten.

Wie wirkt Decyl Glucoside auf zellulaerer Ebene?

Als nicht-ionisches Tensid besitzt Decyl Glucoside einen hydrophilen Glucosekopf und einen lipophilen Decylschwanz. Diese amphiphile Struktur ordnet sich an Öl-Wasser-Grenzflächen an und senkt die Oberflächenspannung. Bei Konzentrationen über der CMC (kritische Micellbildungskonzentration von ca. 0,1-0,2 mM) bildet es Micellen, die Schmutz und Sebum umschließen. Im Gegensatz zu anionischen Tensiden (SLS/SLES) interagiert es NICHT mit Hautproteinen, da es keine elektrische Ladung trägt — dies erklärt die außergewöhnliche Hautverträglichkeit.

So wirkt Decyl Glucoside auf deine Haut

Sanfte Micell-Reinigung

Bildet bei Konzentrationen über 0,1-0,2 mM kugelförmige Micellen mit einem Radius von ca. 2-3 nm. Diese umschließen hydrophobe Schmutzpartikel und Sebum im Micellen-Kern, während die hydrophilen Glucoseköpfe nach außen zeigen. So wird Schmutz ohne mechanisches Reiben oder Hautbarriere-Schädigung entfernt — der Reinigungseffekt basiert auf physikalischer Einkapselung, nicht auf chemischer Denaturierung.

Hautbarriere-Schonung

Im Gegensatz zu anionischen Tensiden (SLS, SLES) trägt Decyl Glucoside keine Ladung und interagiert daher NICHT elektrostatisch mit Hautproteinen (Keratin, Filaggrin). Patch-Tests zeigen, dass selbst 10%ige Lösungen keine signifikante Erhöhung des transepidermalen Wasserverlustes (TEWL) verursachen — ein Hinweis auf intakte Lipid-Lamellen zwischen den Korneozyten.

Augenverträglichkeit

Die nicht-ionische Struktur verhindert Proteindenaturierung im Tränenfilm. Während anionische Tenside (SLS) den präkornealen Tränenfilm destabilisieren und zu Brennen führen, bleibt die Lysozym-Aktivität in der Tränenflüssigkeit bei Kontakt mit Decyl Glucoside erhalten. Dies macht es zum Tensid der Wahl für 'No Tears'-Formulierungen und Augenmake-up-Entferner.

Biologische Abbaubarkeit

Die β-glycosidische Bindung zwischen Glucose und Decylalkohol wird von bakteriellen Glycosidasen binnen 48 Stunden zu 98% gespalten (OECD 301 Test). Die Abbauprodukte (Glucose + Decanol) werden im aeroben Stoffwechsel vollständig mineralisiert. Im Gegensatz zu ethoxilierten Tensiden entstehen KEINE persistenten Metaboliten — wichtig für Kläranlagen und Gewässerökologie.

Viskositätsaufbau

In Kombination mit Kokos-Betain oder Alkanolamiden bildet Decyl Glucoside gemischte Micellen mit zylindrischer statt kugelförmiger Geometrie. Diese stäbchenförmigen Micellen vernetzen sich zu einem dreidimensionalen Netzwerk, das die Viskosität erhöht — ohne synthetische Verdicker. Dieser Effekt tritt optimal bei einem Mischungsverhältnis von 2:1 (Decyl Glucoside : Co-Tensid) auf.

Dosierung & Regulierung

Typische Einsatzkonzentration: 5-30% in Shampoos und Duschgelen (Haupttenside), 1-5% in Gesichtsreinigern, 0,5-2% als Co-Tensid in Cremes/Lotionen zur Verbesserung der Textur
EU-Regulierung: Keine spezifische Einschränkung gemäß EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009. In Eco-Cert/COSMOS zertifizierten Naturkosmetika zugelassen.

Fuer wen ist Decyl Glucoside geeignet?

Empfindliche Haut

Nicht-ionische Struktur verhindert Proteindenaturierung und Hautbarriere-Disruption, im Gegensatz zu Sulfat-Tensiden.

Neurodermitis-Haut

Klinische Studien zeigen signifikant weniger Irritationen als SLS — wichtig bei geschwächter Hautbarriere.

Trockene Haut

Schont die natürlichen Lipidstrukturen der Hornschicht, verhindert transepidermalen Wasserverlust.

Babyhaut

Augenverträglichkeit (kein Tränenfilm-Störung) und pH-Neutralität machen es ideal für sanfte Baby-Pflege.

Decyl Glucoside in deiner Routine

Gesichtsreinigung (morgens/abends)

1-2 Pumphübe (ca. 1-2 ml) auf feuchte Haut auftragen, sanft einmassieren bis sich Micellen bilden (leichtes Schäumen), mit lauwarmem Wasser abspülen. Bei Augen-Make-up länger einwirken lassen (30 Sekunden), damit Micellen wasserfeste Pigmente umschließen können.

Körperreinigung

5-10 ml in feuchtem Waschlappen oder direkt auf Haut verteilen. Mechanisches Reiben ist NICHT nötig — die Micellbildung übernimmt die Reinigung. Besonders für empfindliche Hautstellen (Achseln, Intimbereich) geeignet, da pH-neutral (5,0-5,5).

Haarwäsche

10-15 ml im nassen Haar verteilen, 1-2 Minuten einwirken lassen. Die Micellen benötigen Zeit, um Sebum aus den Haarfollikeln zu lösen. Gründlich ausspülen — Rückstände können bei hartem Wasser (Ca²⁺/Mg²⁺) unlösliche Komplexe bilden.

Kombination mit anderen Wirkstoffen

Kann direkt nach BHA/AHA-Peelings (pH 3-4) verwendet werden — die nicht-ionische Struktur puffert den niedrigen pH nicht ab. Bei Verwendung mit Vitamin C-Seren: erst Serum auftragen, 5 Minuten warten (Absorption), dann reinigen.

Lagerung: Lagerung bei 5-25°C, vor direktem Sonnenlicht geschützt. Bei Temperaturen > 50°C beschleunigt sich die Hydrolyse der β-glycosidischen Bindung. pH-Bereich 4-8 optimal (außerhalb dieses Bereichs sinkt die Halbwertszeit). Angebrochene Produkte innerhalb von 12 Monaten verbrauchen — nach längerer Lagerung kann mikrobielle β-Glucosidase-Aktivität (aus Verunreinigungen) zu langsamer Zersetzung führen.

RAU Cosmetics Produkte mit Decyl Glucoside

Haeufige Fragen zu Decyl Glucoside

Warum schäumt Decyl Glucoside weniger stark als SLS/SLES, obwohl es genauso gut reinigt?

Schaum und Reinigungsleistung sind NICHT korreliert — das ist ein Marketing-Mythos aus den 1950ern. Decyl Glucoside bildet kleinere, dichtere Micellen (2-3 nm Radius) als Sulfat-Tenside (5-7 nm), was zu weniger Luft-Einschluss führt. Die Reinigungskraft hängt von der CMC (kritische Micellbildungskonzentration) ab, nicht von der Schaumhöhe. Tatsächlich ist eine NIEDRIGE Schaumbildung vorteilhaft: weniger Wasserverbrauch beim Abspülen, geringeres Risiko von Tensid-Rückständen.

Kann Decyl Glucoside die Hautbarriere langfristig schwächen, auch wenn es mild ist?

Langzeitstudien (6 Monate, 2x tägliche Anwendung) zeigen KEINE kumulative Schädigung der Hautbarriere. Der Grund: Nicht-ionische Tenside extrahieren zwar oberflächliche Lipide (Sebum, Schweißfette), penetrieren aber NICHT tief genug, um die interzellulären Ceramid-Cholesterol-Fettsäure-Lamellen zu stören. Im Gegensatz dazu können anionische Tenside (SLS) durch elektrostatische Wechselwirkung Filaggrin denaturieren, was die Barrierefunktion nachhaltig beeinträchtigt. Wichtig: bei sehr trockener Haut trotzdem rückfettende Tenside (Kokos-Betain) zugeben.

Warum wird Decyl Glucoside oft mit 'Coco Glucoside' kombiniert — was ist der Unterschied?

Decyl Glucoside hat eine einheitliche C10-Kettenlänge (Decylalkohol), während Coco Glucoside ein Gemisch aus C8-C16-Ketten (Kokosfettalkohole) ist. Die kürzeren Ketten (C8-C10) in Coco Glucoside senken die CMC (schnellere Micellbildung = besseres Schäumen), die längeren Ketten (C12-C16) erhöhen die Viskosität. Durch Mischung beider erhält man ein Tensidsystem mit optimiertem Schaum UND Textur — ohne synthetische Verdicker. Typisches Verhältnis: 60% Decyl Glucoside + 40% Coco Glucoside.

Ist Decyl Glucoside wirklich 'natürlich', wenn es industriell synthetisiert wird?

Das ist eine philosophische Frage. Chemisch betrachtet: Die Ausgangsstoffe (Glucose, Decylalkohol) sind pflanzlichen Ursprungs, die Fischer-Glycosidierung ist eine klassische organische Reaktion ohne Halogenierung oder Petrochemie. Im Gegensatz zu ethoxilierten Tensiden (PEG-Derivate) entstehen KEINE Dioxan-Spuren. Eco-Cert und COSMOS akzeptieren Decyl Glucoside als 'naturidentisch' — es ist strukturell identisch mit Glucosiden, die in Pflanzen vorkommen (z.B. Saponine). Der einzige Unterschied: In der Natur würden enzymatische Glycosyltransferasen die Reaktion katalysieren, in der Industrie sind es Säure-Katalysatoren.

Bei welcher Temperatur zerfallen die Micellen — ist Decyl Glucoside hitzestabil?

Die Krafft-Temperatur (Temperatur, unterhalb derer Micellen zerfallen) liegt bei Decyl Glucoside unter 0°C — praktisch irrelevant für kosmetische Anwendungen. Oberhalb von 60°C beginnt allerdings die thermische Zersetzung der β-glycosidischen Bindung durch Hydrolyse, besonders bei niedrigem pH (<4). Daher sollten Formulierungen mit Decyl Glucoside NICHT über 50°C erhitzt werden. Bei Raumtemperatur (20-25°C) sind die Micellen über Jahre stabil — keine Phasentrennung, keine Kristallisation.

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