AHA-Säure

Milchsaeure
Alpha-Hydroxysäure (AHA) / Organische Säure

Milchsaeure ist Wird biotechnologisch durch bakterielle Fermentation von Milchzucker (Laktose) oder Glucose gewonnen. Erfahre hier alles ueber Herkunft, Wirkung und die beste Anwendung in deiner taeglichen Pflegeroutine.

INCI: Lactic Acid  |  CAS: 50-21-5  |  Auch bekannt als: L(+)-Milchsäure, 2-Hydroxypropionsäure, α-Hydroxypropionsäure, Lactate, E270 (als Lebensmittelzusatzstoff)
Stoffklasse Alpha-Hydroxysäure (AHA) / Organische Säure
INCI-Name Lactic Acid
CAS-Nummer 50-21-5
Komedogenitaet Grad 0 (nicht komedogen)

Was ist Milchsaeure?

Milchsäure (Lactic Acid) ist eine Alpha-Hydroxysäure (AHA), die sowohl natürlich im menschlichen Körper als Teil des Natural Moisturizing Factor (NMF) vorkommt, als auch biotechnologisch durch Fermentation gewonnen wird. Sie ist die mildeste und zugleich feuchtigkeitsspendendste aller AHAs, da ihr Molekulargewicht von 90 g/mol eine langsamere Penetration ermöglicht als bei Glykolsäure (76 g/mol). Historisch wurde Milchsäure bereits von Kleopatra in Form von Milchbädern genutzt – die Milch enthielt natürliche Milchsäure, die für den hautglättenden Effekt verantwortlich war. In der modernen Dermatologie wird sie in Konzentrationen von 5-30% zur Keratolyse, Hydratation und Kollagen-Stimulation eingesetzt. Besonders bei trockener, sensibler oder zu Hyperpigmentierung neigender Haut zeigt Milchsäure überlegene Ergebnisse gegenüber aggressiveren AHAs.

Wusstest du? Milchsäure ist der Grund, warum Sauermilchprodukte wie Joghurt traditionell als Hautpflege verwendet wurden. Die Bakterien Lactobacillus bulgaricus und Streptococcus thermophilus produzieren während der Fermentation L(+)-Milchsäure – genau die Variante, die auch in unserer Haut vorkommt. Moderne Kosmetik nutzt denselben Fermentationsprozess, nur kontrollierter und in höherer Konzentration.

Woher kommt Milchsaeure?

Wird biotechnologisch durch bakterielle Fermentation von Milchzucker (Laktose) oder Glucose gewonnen. Die L(+)-Milchsäure ist identisch mit der körpereigenen Form, die bei intensiver Muskelarbeit entsteht und natürlich in der Haut als Teil des Natural Moisturizing Factor (NMF) vorkommt. In der modernen Kosmetik unterliegt die Gewinnung und Verarbeitung strengen Qualitaetsstandards gemaess der EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009. RAU Cosmetics bezieht ausschliesslich Rohstoffe in Kosmetik-Qualitaet von geprueften Lieferanten.

Wie wirkt Milchsaeure auf zellulaerer Ebene?

Milchsäure löst die Desmosomen (Zellverbindungen) zwischen Korneozyten in der obersten Hautschicht durch Senkung des pH-Werts, wodurch abgestorbene Hautzellen sanft abgelöst werden. Gleichzeitig fungiert sie als hydrophiler Feuchthaltefaktor, der Wassermoleküle in der Hornschicht bindet. In höheren Konzentrationen (>10%) stimuliert sie zudem die epidermale Zellerneuerung und fördert die Kollagensynthese in der Dermis durch Aktivierung von Fibroblasten.

So wirkt Milchsaeure auf deine Haut

Sanftes chemisches Peeling

Löst durch pH-Absenkung auf 3.5-4.0 die Desmosomen zwischen Korneozyten und beschleunigt die Desquamation (Hautschuppung) um bis zu 30%. Anders als mechanische Peelings werden nur abgestorbene Zellen entfernt, lebende Zellen bleiben intakt. Der Effekt ist dosisabhängig: 5% wirken oberflächlich hornlösend, ab 10% auch epidermis-erneuernd.

Hydratation durch NMF-Verstärkung

Milchsäure ist natürlicher Bestandteil des Natural Moisturizing Factor (NMF) der Haut und bindet Wassermoleküle durch ihre hydrophile Hydroxyl- und Carboxylgruppe. Studien zeigen eine Verbesserung der Hautfeuchtigkeit um bis zu 25% nach 4-wöchiger Anwendung von 5% Milchsäure. Gleichzeitig reduziert sie den transepidermalen Wasserverlust (TEWL).

Kollagen-Stimulation

In Konzentrationen ab 8% aktiviert Milchsäure Fibroblasten in der Dermis zur vermehrten Kollagen-Typ-I-Synthese. Der Mechanismus erfolgt über die Aktivierung des TGF-β-Signalwegs (Transforming Growth Factor Beta). Klinische Studien zeigen nach 12 Wochen eine messbare Zunahme der Hautdicke und Elastizität.

pH-Optimierung & Mikrobiom-Balance

Senkt den Haut-pH von durchschnittlich 5.5 auf optimal 4.5-5.0, wodurch die Aktivität hautschützender Enzyme (z.B. β-Glucocerebrosidase für Lipidbarriere-Aufbau) verstärkt wird. Der saure pH hemmt gleichzeitig pathogene Bakterien wie Staphylococcus aureus, während kommensale Hautbakterien gefördert werden.

Melanin-Regulation

Beschleunigt die epidermale Zellerneuerung von normal 28 auf etwa 21 Tage, wodurch melaninhaltige Korneozyten schneller abgestoßen werden. Zusätzlich hemmt Milchsäure in vitro die Tyrosinase-Aktivität um bis zu 30%, das Schlüsselenzym der Melaninsynthese, was bei post-inflammatorischer Hyperpigmentierung hilfreich ist.

Dosierung & Regulierung

Typische Einsatzkonzentration: 3-10% in Leave-on Produkten (pH 3.5-4.0), 20-30% in professionellen Peelings (pH 3.0-3.5), 1-5% als pH-Regulator
EU-Regulierung: Keine spezifische Einschränkung gemäß EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009. Empfehlung des SCCS: Bei Konzentrationen >10% Hinweis auf erhöhte Photosensibilität

Fuer wen ist Milchsaeure geeignet?

Trockene Haut

Milchsäure ist Teil des körpereigenen NMF und bindet Feuchtigkeit effektiver als Glycerin, ohne die Lipidbarriere zu schwächen.

Unreine Haut

Der keratolytische Effekt verhindert verstopfte Poren durch sanfte Ablösung abgestorbener Hautzellen, während der niedrige pH-Wert das Mikrobiom ausgleicht.

Reife Haut

Stimuliert die Kollagen- und Elastin-Synthese in der Dermis und verbessert die Hautdicke bei regelmäßiger Anwendung.

Hyperpigmentierte Haut

Beschleunigt die Zellerneuerung und fördert dadurch den Abtransport melaninhaltiger Korneozyten bei post-inflammatorischer Hyperpigmentierung.

Sensible Haut

Als mildeste AHA mit größerem Molekül dringt sie langsamer ein als Glykolsäure und ist besser verträglich bei empfindlicher Haut.

Milchsaeure in deiner Routine

Abendliche Anwendung bevorzugen

Trage Produkte mit Milchsäure abends auf, da AHAs die Photosensibilität für 5-7 Tage erhöhen. Am nächsten Morgen Sonnenschutz mit mind. LSF 30 verwenden.

Einschleichen bei AHA-Neulingen

Starte mit 5% Milchsäure 2x wöchentlich für 2 Wochen. Bei guter Verträglichkeit auf 3-4x wöchentlich steigern. Höhere Konzentrationen (10%+) nur nach Gewöhnung verwenden.

Auf gereinigte, trockene Haut auftragen

Warte 5-10 Minuten nach der Reinigung, bevor du Milchsäure aufträgst, damit die Haut vollständig trocken ist. Feuchte Haut erhöht die Penetration und kann Irritationen verstärken.

Wartezeit vor dem nächsten Schritt

Lasse das Milchsäure-Produkt 10-15 Minuten einwirken, bevor du Seren oder Cremes aufträgst, damit der pH-abhängige Effekt optimal wirken kann. Bei Tingling länger als 2 Minuten neutralisiere mit Wasser.

Nicht mit bestimmten Actives kombinieren

Vermeide die gleichzeitige Anwendung mit Retinol, Vitamin C (L-Ascorbinsäure) oder anderen AHAs/BHA in der gleichen Routine. Diese können sich gegenseitig destabilisieren oder zu starke Irritationen verursachen. Alterniere an verschiedenen Abenden.

Lagerung: Milchsäure ist relativ stabil, sollte aber in lichtundurchlässigen Flaschen aufbewahrt werden, da UV-Licht die Molekülstruktur verändern kann. Der pH-Wert von Formulierungen sollte zwischen 3.5-4.0 liegen – darunter wird es zu irritierend, darüber sinkt die Wirksamkeit. Lagere Produkte kühl (<25°C) und verschlossen, da Milchsäure hygroskopisch ist und bei Luftkontakt Wasser anzieht, was die Konzentration verdünnt.

RAU Cosmetics Produkte mit Milchsaeure

Haeufige Fragen zu Milchsaeure

Was ist der Unterschied zwischen Milchsäure und Glykolsäure?

Milchsäure hat ein Molekulargewicht von 90 g/mol, Glykolsäure nur 76 g/mol. Das größere Molekül der Milchsäure penetriert langsamer und wirkt daher sanfter, was sie zur besseren Wahl für empfindliche oder trockene Haut macht. Zusätzlich ist Milchsäure Teil des körpereigenen NMF und hat dadurch stärkere feuchtigkeitsbindende Eigenschaften, während Glykolsäure primär exfolierend wirkt. Der keratolytische Effekt ist bei gleicher Konzentration vergleichbar, aber Milchsäure verursacht weniger Irritationen.

Kann ich Milchsäure während der Schwangerschaft verwenden?

Ja, Milchsäure gilt als sicher während Schwangerschaft und Stillzeit. Sie wird nicht systemisch absorbiert und bleibt in den obersten Hautschichten. Die FDA stuft sie als Kategorie B ein. Im Gegensatz zu Retinoiden oder Salicylsäure (BHA), die in der Schwangerschaft gemieden werden sollten, ist Milchsäure unbedenklich. Dennoch sollten Schwangere mit niedrigen Konzentrationen (3-5%) beginnen, da hormonelle Veränderungen die Haut empfindlicher machen können.

Warum brennt Milchsäure manchmal auf der Haut?

Das Brennen (auch 'Tingling' genannt) entsteht durch die pH-Absenkung unter 4.0, wodurch sensorische Nervenenden in der Epidermis aktiviert werden. Ein leichtes Kribbeln für 30-60 Sekunden ist normal und zeigt, dass die Säure wirkt. Brennt es jedoch länger als 2 Minuten oder wird schmerzhaft, ist die Konzentration zu hoch, der pH zu niedrig (<3.0), oder die Hautbarriere ist bereits geschädigt. In diesem Fall sofort mit Wasser neutralisieren. Faktoren wie vorherige Rasur, Retinol-Nutzung oder Rosacea verstärken die Sensibilität.

In welcher Reihenfolge wende ich Milchsäure mit anderen Seren an?

Nach der Reinigung und Toner kommt Milchsäure als erstes auf die trockene Haut (pH 3.5-4.0 benötigt saure Umgebung). Warte 10-15 Minuten, damit sie wirken kann. Danach folgen pH-neutrale Seren (z.B. Hyaluronsäure, Niacinamid, Peptide) und abschließend die Feuchtigkeitscreme. Vermeide die Kombination mit Vitamin C (L-Ascorbinsäure), da beide pH <4 benötigen und sich gegenseitig destabilisieren. Auch Retinol sollte nicht in der gleichen Routine verwendet werden, sondern an alternierenden Abenden.

Kann Milchsäure bei Rosacea oder Neurodermitis verwendet werden?

Mit Vorsicht und nur in niedriger Konzentration (3-5%) sowie pH >3.8. Bei Rosacea kann Milchsäure durch pH-Optimierung das Mikrobiom stabilisieren und Demodex-Milben reduzieren, aber die Säure kann auch Flush-Reaktionen triggern. Teste zunächst lokal am Kiefer. Bei Neurodermitis im akuten Schub ist Milchsäure kontraindiziert, da die geschädigte Barriere die Penetration verstärkt. In der Remissionsphase kann sie jedoch die Barrierefunktion durch NMF-Verstärkung unterstützen. Immer mit dem Dermatologen absprechen.

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