Urea
Endogenes Metabolit und Keratolytikum
Urea ist Urea ist ein natürlicher Bestandteil des menschlichen Natural Moisturizing Factor (NMF) in der Hornschicht der Haut. Erfahre hier alles ueber Herkunft, Wirkung und die beste Anwendung in deiner taeglichen Pflegeroutine.
Was ist Urea?
Urea (Harnstoff) ist eines der faszinierendsten Moleküle der Hautpflege: Es ist sowohl ein natürlicher Bestandteil des körpereigenen Natural Moisturizing Factor (NMF) als auch ein kraftvolles Keratolytikum in höheren Dosierungen. Entdeckt wurde Urea 1773 von dem französischen Chemiker Hilaire Rouelle – und 1828 synthetisierte Friedrich Wöhler es als ersten organischen Stoff aus anorganischen Ausgangsstoffen, was eine wissenschaftliche Sensation war. In der Dermatologie wird Urea seit den 1940er Jahren eingesetzt, zunächst in 40%igen Salben gegen Psoriasis und Ichthyose. Heute ist es in Konzentrationen von 2-10% fester Bestandteil moderner Feuchtigkeitspflege, da es die Hautbarriere repariert, Feuchtigkeit bindet und andere Wirkstoffe verstärkt – ohne die Nebenwirkungen synthetischer Penetrationsverstärker.
Woher kommt Urea?
Urea ist ein natürlicher Bestandteil des menschlichen Natural Moisturizing Factor (NMF) in der Hornschicht der Haut. In Kosmetika wird es synthetisch durch Reaktion von Ammoniak mit Kohlendioxid bei hohen Temperaturen und Drücken hergestellt – das gleiche Molekül wie im Körper, aber ohne tierische Quellen. In der modernen Kosmetik unterliegt die Gewinnung und Verarbeitung strengen Qualitaetsstandards gemaess der EU-Kosmetikverordnung (EG) Nr. 1223/2009. RAU Cosmetics bezieht ausschliesslich Rohstoffe in Kosmetik-Qualitaet von geprueften Lieferanten.
Wie wirkt Urea auf zellulaerer Ebene?
Urea durchbricht Wasserstoffbrückenbindungen zwischen Keratin-Filamenten in der Hornschicht, was bei Konzentrationen ab 10% einen keratolytischen (hornhautauflösenden) Effekt bewirkt. Gleichzeitig bindet es durch seine bipolaren Amid-Gruppen Wassermoleküle in der Epidermis und erhöht die Wasserbindungskapazität um bis zu 50%. Bei 5-10% verstärkt es zudem die Penetration anderer Wirkstoffe, indem es die Lipid-Barriere temporär durchlässiger macht. In niedrigen Dosierungen (2-5%) wirkt es primär als Feuchthaltemittel ohne keratolytischen Effekt.
So wirkt Urea auf deine Haut
Tiefenwirksame Hydratation
Urea ist hygroskopisch und bindet das 1,5-fache seines Eigengewichts an Wasser. Anders als oberflächliche Feuchthaltemittel dringt es bis in die tieferen Schichten der Hornschicht ein und erhöht dort die Wasserbindungskapazität nachhaltig. Studien zeigen eine Steigerung der Hautfeuchtigkeit um bis zu 50% nach 2-wöchiger Anwendung von 5% Urea.
Barriere-Reparatur
Als natürlicher Bestandteil des NMF stabilisiert Urea die Lipid-Doppelschichten der Hornschicht und reduziert den transepidermalen Wasserverlust (TEWL). Bei gestörter Hautbarriere (Neurodermitis, Psoriasis) ist der körpereigene Harnstoff-Spiegel oft erniedrigt – externe Zufuhr gleicht dieses Defizit aus und beschleunigt die Regeneration.
Keratolytische Wirkung
Ab 10% Konzentration spaltet Urea Wasserstoffbrücken zwischen Keratin-Filamenten und löst so Verhornungen und Schuppungen. Dies geschieht ohne mechanische Abrasion, was bei empfindlicher Haut schonender ist als Peelings. Der Effekt ist konzentrationsabhängig: 10-20% für leichte Verhornungen, 20-40% für therapieresistente Hyperkeratosen.
Penetrations-Verstärker
Urea erhöht die Durchlässigkeit der Hornschicht für andere Wirkstoffe, indem es temporär die interzellulären Lipide lockert. Dies macht es zu einem effektiven Booster in Seren und Behandlungen: Vitamin C, Retinol oder Peptide können in Kombination mit 5-10% Urea bis zu 30% besser eindringen. Daher findet man es häufig in medizinischen Formulierungen als Penetrationsverstärker für Corticosteroide.
Juckreiz-Linderung
Studien belegen, dass Urea die Reizschwelle sensibler C-Nervenfasern erhöht und so Juckreiz direkt an den Nervenenden reduziert. Zusätzlich lindert die verbesserte Hydratation mechanisch bedingten Juckreiz durch trockene, gespannte Haut. In klinischen Studien bei Neurodermitis-Patienten zeigte 10% Urea eine vergleichbare juckreizstillende Wirkung wie niedrig dosierte Hydrocortison-Cremes.
Dosierung & Regulierung
Fuer wen ist Urea geeignet?
Urea ist Teil des natürlichen NMF der Haut und gleicht bei Trockenheit den körpereigenen Harnstoff-Mangel aus, der bei Xerose typischerweise auftritt
Reduziert nachweislich den transepidermalen Wasserverlust (TEWL) und lindert Juckreiz durch Stabilisierung der gestörten Barrierefunktion bei atopischer Dermatitis
Löst ab 10% Konzentration Verhornungen durch Aufbrechen der Keratin-Struktur und fördert die Abschilferung abgestorbener Hautzellen
Wirkt in höheren Konzentrationen (20-40%) stark keratolytisch und weicht selbst dicke Hornschwielen auf
Urea in deiner Routine
Nach der Reinigung
Trage 2-5% Urea-Seren oder -Toner auf die noch leicht feuchte Haut auf. Urea zieht Feuchtigkeit aus der Umgebung an – feuchte Haut verstärkt diesen Effekt. Ideal morgens und abends.
Layering mit Aktivstoffen
Bei 5-10% Urea-Konzentrationen erst Urea-Serum auftragen, 2-3 Minuten einziehen lassen, dann Vitamin C, Retinol oder andere Wirkstoffe. Urea macht die Haut aufnahmefähiger – aber Vorsicht bei empfindlicher Haut (kann Reizungen verstärken).
Nachtcreme mit Urea
Verwende 5-10% Urea-Cremes als letzten Schritt der Abendroutine. Über Nacht repariert Urea die Hautbarriere und bindet Feuchtigkeit. Bei sehr trockener Haut kannst du eine dickere Schicht auftragen (Okklusiv-Effekt).
Intensive Fußpflege
Bei Hornhaut oder rissigen Fersen: 20-40% Urea-Creme dick auftragen, Baumwollsocken drüber, über Nacht einwirken lassen. Nach 3-7 Tagen lässt sich verhornte Haut deutlich leichter entfernen. Einmal wöchentlich wiederholen.
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Art.-Nr. RC1700Haeufige Fragen zu Urea
Warum brennt Urea manchmal auf der Haut?
Urea ist osmotisch aktiv und zieht Wasser aus tieferen Hautschichten an die Oberfläche. Bei sehr trockener oder gereizter Haut mit Mikrorissen kann dies ein brennendes Gefühl auslösen – ähnlich wie Salzwasser in einer Wunde. Das ist kein Zeichen einer allergischen Reaktion, sondern ein physikalischer Effekt. Lösung: Mit niedriger Konzentration (2-5%) beginnen und langsam steigern, oder Urea nur auf intakte Haut auftragen. Das Brennen lässt nach, sobald die Hautbarriere regeneriert ist.
Ist synthetischer Harnstoff genauso gut wie körpereigener?
Ja, chemisch sind sie identisch. Synthetischer Harnstoff (durch Haber-Bosch-Verfahren hergestellt) hat die exakt gleiche Molekülstruktur wie körpereigener Harnstoff aus dem NMF. Die Haut kann nicht unterscheiden, woher das Molekül stammt. Früher wurde Urea aus Urin gewonnen, heute ist die Synthese aus Ammoniak und CO₂ der Industriestandard – hygienischer und in pharmazeutischer Reinheit verfügbar.
Kann Urea die Haut dünner machen?
Nein, im Gegenteil. Urea in kosmetischen Konzentrationen (2-10%) verdickt langfristig die Epidermis, indem es die Zellteilung in der Basalschicht anregt und die Barrierefunktion stärkt. Nur in sehr hohen, medizinischen Dosierungen (40%+) wirkt es keratolytisch genug, um die Hornschicht temporär zu reduzieren – das ist aber ein erwünschter Effekt bei Hyperkeratosen, nicht bei gesunder Haut. Nach Absetzen normalisiert sich die Hautdicke wieder.
Warum riecht Urea manchmal nach Ammoniak?
Reines Urea ist geruchlos. Bei unsachgemäßer Lagerung (Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit, pH-Wert über 7) kann es aber zu Ammoniak und Isocyanat hydrolysieren – das riecht stechend. Auch bakterielle Zersetzung durch Urease-Enzyme (z.B. bei kontaminierten Cremes) spaltet Urea zu Ammoniak. Abhilfe: Urea-Produkte kühl lagern, verschlossen halten, pH unter 6,5. Wenn es riecht, ist das Produkt nicht mehr optimal wirksam.
Kann ich Urea mit Vitamin C oder Retinol kombinieren?
Ja, Urea verstärkt sogar deren Wirkung, indem es die Penetration erhöht. Aber Vorsicht: Bei empfindlicher Haut kann diese Kombination zu Reizungen führen, da sowohl Urea als auch Vitamin C/Retinol die Barriere beeinflussen. Empfehlung: Starte mit niedrigen Konzentrationen (5% Urea, 0,3% Retinol oder 10% Vitamin C), beobachte die Hautreaktion. Bei Rötungen/Brennen die Wirkstoffe auf unterschiedliche Tageszeiten verteilen (Urea morgens, Retinol abends).
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